Hartmut Landauer

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Pressetext:

Ausstellung: Hartmut Landauer: memoryscapes (Malerei und Polaroids)
Ort: Galerie der Stadt Sindelfingen im Alten Rathaus Maichingen, Sindelfinger Str. 14, Sindelfingen-Maichingen
Ausstellungsdauer: 15.10. - 29.10.06, Sa, So 11-16 Uhr
Eröffnung mit Poesie-Performance von Timo Brunke: So 15.10.06, 11:30 Uhr
Künstlergespräch: So 22.10., 11:30 Uhr

Kann ein Bild abstrakt sein und dennoch eine Geschichte erzählen? Können geometrische Formen an Landschaften erinnern? Diese und andere Fragen beantwortet Hartmut Landauer mit seiner Ausstellung "memoryscapes", die vom 15. Oktober bis zum 29. Oktober in der Galerie der Stadt Sindelfingen im Alten Rathaus Maichingen zu sehen ist. In der letzten von Marko Schacher kuratierten Ausstellung werden Landauers großformatige, gemalte "Gedächtnislandschaften" erstmals mit Polaroids kombiniert und konfrontiert.

Auf den ersten, flüchtigen Blick sieht der Betrachter in Landauers großformatigen Bildern verschiedene geometrische Flächen, die in Grau- und Erdtönen gehalten sind. Figürliche Darstellungen, die noch bis Anfang der 90er Jahre das Werk des Künstlers bestimmen, scheinen vollständig aus den Bildern verschwunden zu sein. Und doch ist das Gegenständliche noch präsent. Die Bilder wimmeln nur so von Spuren menschlicher Präsenz, erinnern an Luftaufnahmen von Architektur oder Landschaft, an mit Furchen, Wegen und Trampelpfaden durchzogene Felder.
Landauers Malereien bilden jedoch keine konkreten, gesehenen Landschaften ab, sie sind aber auch nicht wirklich abstrakt, es sind sozusagen innere, gefühlte, gedachte Landschaften, eben – wie der Ausstellungstitel sagt – "memoryscapes", Gedächtnisgemarkungen.

Jedes Bild vereint verschiedene Geschichten in sich, eine, die nur der Künstler kennt, aber auch eine, die sich am Bild unmittelbar ablesen lässt. Der Künstler selbst weiß genau, in welcher Verfassung er welches Bild gemalt hat, kann sich an die Musik erinnern, die er während des Malens gehört hat und weiß sogar, ob er das jeweilige Bild bei Tages- oder Kunstlicht gemalt hat. Seit Hartmut Landauer in Cadiz in Südspanien wohnt, arbeitet er wieder mit Farben und nicht nur Formen. Die Bilder wurden farbenfroher. Die Arbeiten sind jedoch weitaus mehr als bildliche Psychogramme ihres Schöpfers, mehr als visuelle Mindmaps, die die Verworrenheit der Gedankenwege zeigen.

Die Bilder sind vor allem spannende, ästhetische, poetische Augenkitzel, die ihre Schöpfungsgeschichte, ihren prozesshaften Aufbau, ihre Überlagerungen und Schichtungen offen präsentieren. Landauers Großformate bestehen aus bis zu 12 übereinander gelegten Schichten aus Acrylfarbe, in die fein gesiebter Quarzsand gemischt ist. Die Resultate changieren zwischen Gemälde, Collage und Relief, bleiben aber – und das ist dem Künstler äußerst wichtig – immer "Flachware", Bilder an der Wand. Mit zum Bild gehören die Schatten der in die Oberfläche eingegrabenen Furchen, die das Bild zusätzlich strukturieren. Das eigentliche Thema ist die Malerei selbst, ihre Materialität und die Formen, die aus der Schichtung der Farbflächen entstehen.

Den Entstehungsprozess der Bilder beschreibt Hartmut Landauer folgendermaßen: "Das Bild baut sich ohne Plan oder Konzept beinahe selbst - wie informelle Malerei, wie Natur: Intuition, Geste, Zeit und Zufall arbeiten am Werk mit, das sich auch wie eine Spurensuche lesen lassen kann". Gerade diese Spurensuche macht die Betrachtung der Gemälde zum Abenteuer. Auf dieser Spurensuche lassen sich auch Spuren des Kubismus’ á la Georges Braque und einer Farbfeldmalerei á la Mark Rothko entdecken, aber auch Spuren der eigenen Biografie.

Alle malerischen Arbeiten entstehen ohne Skizzen oder Vorstudien, direkt vor der Leinwand. Auch Hartmut Landauers Polaroids, die erstmals in der Maichinger Ausstellung öffentlich präsentiert werden und vor Ort, im Alten Maichinger Rathaus, den großformatigen Gemälden gegenüber gestellt werden, dienen allenfalls als Inspiration aber nie als direkte Vorlage für Leinwand-Arbeiten. Auf den Polaroids sind Hausfassaden, Baustellen, Wellblechhütten, Fußbodenbeläge, Eisenbahnschienen und Klingelschilder zu sehen - Momentaufnahmen, die der Künstler in Deutschland (zumeist Stuttgart), Ecuador und Südspanien geschossen hat. Es sind spektakulär unspektakuläre, oft ungewöhnlich angeschnitten Aufnahmen von Zufalls-Patchworks, als künstlerisch wertvoll erachtete Momentaufnahmen aus dem Alltag der jeweiligen Stadt.

Der Ausstellungstitel "memoryscapes" soll auch daran erinnern, dass sich Marko Schacher mit dieser Präsentation als Kurator von der Galerie der Stadt Sindelfingen im Alten Rathaus Maichingen verabschiedet. Sechs Jahre lang hat der gebürtige Böblinger mit dem Hang zur "Kunst als Raumspray", zur installativen, interaktiven, den Dialog suchenden Kunst das Galerieprogramm bestimmt - und dabei so manche Gedächtnislandschaft geschaffen.

Eine Möglichkeit, den Abschied zu feiern, gibt es am 22. Oktober, wenn Kurator und Künstler um 11:30 Uhr zum gemeinsamen "Künstlergespräch" ins Alte Maichinger Rathaus bitten. Aber auch die Eröffnung am 15. Oktober um 11.30 Uhr ist bereits etwas Besonderes, führt doch der Stuttgarter Schnelldichter Timo Brunke mit einer Poesie-Performance ins Werk von Hartmut Landauer ein – ein Datum also, das in keiner Gedächtnislandschaft verloren gehen sollte!

Marko Schacher

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